Archiv Referenzen

23.03.2012

Berliner Morgenpost: Prinz Orlofsky gibt den Amüsierzombie

Der Operette kann man so manches vorwerfen. Langeweile gehört eigentlich nicht dazu. In "Die Fledermaus" der Gruppe Theater Konstellationen spielt sie allerdings eine zentrale Rolle.

Wo in Johann Strauss' brillantem Original Dr. Falke seinem Freund Gabriel von Eisenstein einen Streich heimzahlt, indem er ihn in seiner Doppelmoral vorführt, zelebriert das Theater Konstellationen in den Sophiensälen Leerlauf: Im Hintergrund fleddern zwei DJs Strauss' schäumende Hits, vorne wird eine Art kommentierte Kurzfassung der ersten beiden Akte gespielt. Zwischen Diskokugeln verdammen die vier Performer in wechselnden Rollen jede Doppelbödigkeit des Texts zur sexuellen Eindeutigkeit, und sollte das mal witzig sein, wird sofort und von allen affektiert meckernd gelacht.

Der Schluss fällt aus, weil sich zwei Figuren vorher zu Tode amüsiert haben auf der Party Prinz Orlofskys, der im Rollstuhl, mit Warhol-Perücke und Struwwelpeter-Fingernägeln die Polonese der Amüsierzombies anführt. Eine Rocky Horror Show der Spaßvampire, die einem auch den letzten Lacher aus den Adern saugen, ohne dass man sich amüsieren oder einen tiefer gehenden Gedanken entdecken würde. Auf der Bühne bleibt in 70 Minuten nur Ermüdung. Praktisch, dass die Moral von der Geschicht' das Original liefert: Glücklich ist, wer vergisst, was nicht mehr zu ändern ist.


←  Autor

©2011-2018 Georg Kasch, Kulturjournalist - Impressum & Kontakt