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02.05.2012

Heidelberger Stückemarkt: Zombie, ich hör' dich trapsen

"Grillenparz" beim Heidelberger Stückemarkt

Auf der Alm, da gibt's a Sünd, und auch, wenn der Grillenparz nur ein Hügel ist, schreit uns doch das Dauerlächeln der fünf Kollegen vor Sperrholzalpenhüttenfassade entgegen: Achtung, Leichen im Keller! Firmenfeiern wie jene, die im zweiten Teil ihren Lauf nehmen (Motto: "Saufen bis zum Umfallen, aber kontrolliert"), enden ohnehin immer in der Katastrophe. Und wenn zu den beruflichen auch noch private Verstrickungen kommen, sind Mord und Totschlag programmiert.

Mit zitternder Suspense lädt Thomas Arzt "Grillenparz" auf, seine erfolgreiche Heimatstück-Neubeatmung (Sperr und Kroetz grüßen), wo die Natur, das Unbewusste und die Untoten raunen und säuseln, bis jeder die Nachtigall trapsen hört. Besser: den Zombie. Max Mayer scheint sich neben dem Dreck aus den Ohren auch die Leichenstarre aus den Gliedern zu schütteln, so anmutig verloren, dass angenehm offen bleibt, ob er die Neuzeitspießer wegen seiner Ausstrahlung nervös macht, wegen seines Verwesungs-Appeals oder wegen ihrer schlechten Gewissen.

Hinterfotzige alpenländische Musik

Die Wildnis ist überall, vor allem in unseren Herzen, lernen wir – und sind überhaupt mittendrin, wenn die ehrgeizige Chefin den da noch namenlosen Jäger ignoriert, um die Investoren mit Fleisch und Bier am Busen der Natur zu bezirzen. In der Festhütte nämlich, wo Nora Schlocker jetzt eine Treibjagd der kalten Herzen inszeniert, kreuz und quer durch die Sitzenden und außen herum, bis die Papierwände als Wunden klaffen.

Am Ende ist Bambi tot. Den Eindruck allerdings, dass der Inszenierungs-Hochdruck eine Leere übertönen will, die beherzte Striche ebenso erledigt hätten, kann auch der exzellente mehrstimmige Gesang nicht übertönen, alpenländische Volksmusik von Hannes Marek. Jene Hinterfotzigkeit aber, die Arzt in den Liedtexten erreicht, bleibt er im Ganzen a bisserl schuldig.


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