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03.05.2012

Heidelberger Stückemarkt: Fröhliches Stückeraten

Spielplan Deutschland – der Berliner Theaterdiscounter weiß, was auf deutschen Bühnen gespielt wird

Preisfrage: Was ist das am meisten neu inszenierte Werk der aktuellen Spielzeit? Richtig, Goethes "Faust". Ähnlich naheliegende, aber auch ziemlich schräge Ergebnisse (häufigste Berufstätigkeit der Protagonisten? Herrscher!) hat das Team des Berliner Theaterdiscounters gewonnen, das die Spielpläne deutscher Theater auswertete und auf www.spielplandeutschland.de zusammentrug.

Der Abend zum Projekt ist ein einstündiger Insiderscherz: Sechs Schauspieler (manchmal auch mehr) und ein Pianist zappen sich durch die Premieren-Stücke der laufenden Saison, übergangslos: Tschechows "Drei Schwestern" reden plötzlich als Löhles "Die Überflüssigen" weiter, um dann mit Tom Waits in "Woyzeck" (in Bob Wilsons Musical-Version) gefühlig zu raunen und zu krächzen.

Dazwischen gibt's die schönsten Stilblüten aus den Vorworten der Spielzeithefte und Dramaturgenprosa, werden Kommentare aus nachtkritik.de-Threads mit Sätzen aus dem Stück verschnitten, um das es geht. Zwischen "Cabarat" und "Zauberflöte" hakt die Truppe, die an drei Tischen mit Spielzeitdevotionalien sitzt und in ihren Kladden blättert, auch den Kulturinfarkt mit Interview-Schnipseln (Thalia-Intendant Jochaim Lux im Hamburger Abendblatt) ab. Hinter ihnen werden nützliche Zusatzinfos eingeblendet, vorne tanzen und singen sie auch mal aus der Reihe.

Spaß macht vor allem das fröhliche Stückeraten, weil die Titel der angespielten Dramen immer erst nach einer Weile eingeblendet werden. Überhaupt ist dieser Beitrag für Theaterbetriebsfeiern sympathisch. Ein Besuch auf der Projekt-Homepage tut's aber auch.

Zum Original geht's hier.


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