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21.03.2013

nachtkritik.de: Spott und Strenge

Gustaf Gründgens – Thomas Blubacher versucht sich an einer Großbiographie über den Großschauspieler

Was, schon wieder ein Buch über Gustaf Gründgens? Nach dessen 100. Geburtstag 1999 mit Symposion und (sich länger hinziehender) Publikationsflut hatte man fast den Eindruck, das Thema sei durch und alles gesagt. Wenn Thomas Blubacher nun zum 50. Todestag die erste Publikation vorlegt, die sich mit GGs gesamtem Leben und Schaffen auseinandersetzt, zugleich lesbar und verständlich bleibt und im Wesentlichen wissenschaftlichen Ansprüchen genügt, dann reibt man sich verwundert die Augen: Hat es bislang wirklich noch keine taugliche Biografie gegeben?

Hat es nicht, auch Blubachers zwei Vorgänger-Versuche waren eher Skizzen. Jedenfalls keine, die sich derart vorgenommen hätte, das Bild vom prägenden deutschen Schauspieler, Regisseur und Intendanten durch mehrere politische Systeme zurechtzurücken. Blubacher kennt den aktuellen Forschungsstand, hat akribisch das GG-Archiv in der Berliner Staatsbibliothek durchforstet und auch rechts und links vom Wegesrand spannende Quellen aufgetan. Leserfreundlich erzählt er entlang der beruflichen Stationen von der Provinz über Hamburg nach Berlin, später Düsseldorf und Hamburg. Er konzentriert sich auf die zentralen Rollen, den Hamlet und den Mephisto, erzählt auch längst erschöpfend erforschte Episoden wie die um Klaus Manns "Mephisto"-Roman straff durch.

Gerade über Gründgens Karriere, seine Zeit im Dritten Reich und seine Position im Adenauer-Deutschland erfährt man aber, wenn man den Stand der Forschung verfolgt hat, wenig Neues. Allerdings gelingt es Blubacher als erstem, den Menschen GG zu zeichnen. Gestalt gewinnt ein Mann, der an sich selbst scheitert. Einer, der sein ganzes Leben lang wie besessen arbeitet, bis zum Beginn der Berliner Intendanz immer zu wenig Geld hat, auch, weil er seine wenige freie Zeit mit Luxus vergoldet. Ein begnadeter Spötter, der sich selbst zu klassizistischer Strenge verdonnert, ein Harlekin, für den es irgendwann nichts mehr zu lachen gibt. Einer, der Männer liebt und Frauen heiraten will, der immer vom Paragrafen 175 gefährdet ist und sich dagegen mit allen Mitteln abzusichern versucht. Einer, dem die Lebensgefährten immer wieder abhanden kommen, der sich, sobald er Macht besitzt, zurückzieht, in seine Krankheiten, einer, der seine Neurosen voll auslebt und strategisch einsetzt. Einer, der zu Freundschaften begabt scheint – und am Ende vereinsamt.

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