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27.04.2013

Heidelberger Stückemarkt: Generation Playmobil

"Alpenvorland" – Jens Poth inszeniert zum Stückemarkt-Auftakt Thomas Arzts Siegerstück des Vorjahrs

Das Puppenheim ist noch nicht fertig, aber die entsprechenden Köpfe sind schon da: Als Pappkameraden im Playmobil-Look paradieren sie über die Bühne, auf der sich eine Mauer aus Zementsäcken schichtet; im Hintergrund leuchten die Laubsägearbeit-Tannen. Von der Natur, in die man hinauswill, ist allenthalben die Rede, aber am natürlichsten wirkt hier noch der Specht, der anfangs als Videoprojektion an seinem Baum herumpickt.

Denn natürlich geht es in Thomas Arzts "Alpenvorland" um die Zivilisation und ihre Krankheiten. Und natürlich ist der Hausbau im Grünen ein Zeichen dafür, es geschafft zu haben: Hannes und Heidi legen den Grundstein, vier alte Schulfreunde kommen zum Grillen auf der Baustelle. Dazwischen funkt Heidis kleine Schwester Sopherl und sucht vorsorglich die Leichen im Keller. Schnell wird klar, dass dieses Haus und diese Leben auf Sand (oder auch: Schlier) gebaut sind. Schließlich durchleidet die Generation Playmobil mit Anfang 30 ihre erste große Krise: Ist der Weg, den ich eingeschlagen habe und der sich von nun an stetig verengt, wirklich der richtige?

Mit dem Plastikspielzeug hat Arzts Stück, das im vergangenen Jahr den Autorenpreis des Heidelberger Stückemarkts gewann und vor wenigen Tagen in Linz uraufgeführt wurde, eigentlich nichts zu tun. Seine Figuren sind lokal verankert, faseln im Kunstdialekt, was man halt so sagt, wenn man sich nichts zu sagen hat und quälen sich mit einer Interpunktion, die die Sätze in die Mehrdeutigkeit stolpern lassen.

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