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29.04.2013

Heidelberger Stückemarkt: Naturidylle im Zitat

Am Schwarzen See – Wojtek Klemms Göttinger Inszenierung zeigt in Dea Lohers Stück die Vorhölle

Oh, diese Mittelstandshöllen: Sehen solide aus, stehen aber immer kurz vor der Implosion. So auch hier, auf diesem Holzdeck, das ein breiter Steg sein könnte oder eine Terrasse. Zwei Paare Anfang Vierzig begegnen sich nach vier Jahren wieder und befinden sich bald im psychologischen Stellungskrieg – jeder gegen jeden. Ein wenig wirkt Dea Lohers "Am Schwarzen See" wie ein Negativabguss von Yasmina Rezas Erfolgskomödie "Der Gott des Gemetzels": Hier wie da zwei Elternpaare, von ihren Kindern zusammengeführt, die dann aber eigentlich nur über sich reden und dabei ihre Fratzen entblößen. Allerdings sind Nina und Fritz tot, haben sich umgebracht, gemeinsam, auf dem titelgebenden Wasser.

Natürlich suchen die Eltern nach Antworten und reißen beim Kreisen um das Unbegreifliche alle Gewissheiten ein. Je intensiver sie Indizien sammeln, desto deutlicher wird, wie wenig sie ihre Kinder kannten. Offen bleibt bei Loher, ob es pubertärer Lebensüberdruss war, Widerstand gegen ihre durchökonomisierten Eltern – die einen sind Besitzer einer Brauerei, der andere ist Banker – oder ein Fanal gegen die Sinnlosigkeit der Welt.

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