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05.05.2013

Heidelberger Stückemarkt: Suche nach moralischen Standards

Die Preise 2013 – Mehr zu dem Jugendstücke-, dem Nachspiel- und dem Internationalen Autorenpreis beim 30. Heidelberger Stückemarkt

Es gibt Jurys, die sind nicht zu beneiden. Denn die beste Inszenierung, die um den JugendStückePreis 2013 rang, war zweifelsohne Weiße Magie von Gintersdorfer/Klaßen aus Bremen: starkes Konzept, überraschende Wendungen, fesselnde Umsetzung. Ein Abend, der einem unter die Haut kriecht und dort noch lange pulsiert. Aber kann man eine Performance, die sich – trotz fixierten Texts – kaum zu einer Nachinszenierung anbietet, guten Gewissens als bestes Jugendstück prämieren?

Insofern geht der mit 6.000 Euro dotierte Preis, den die Hauptjury zusammen mit der Jugendjury aus jungen Heidelberger Theaterbegeisterten an David Gieselmanns Über Jungs verliehen, schon in Ordnung, zumal der Autor sich umgehend bei den Grips-Schauspielern bedankte, von denen etliche der Sätze im Stück stammen. Wesentlich einfacher war die Sache schon beim Internationalen Autorenpreis: Lena Kitsopoulous Athanasios Diakos – Die Rückkehr wirkte bei der Lesung in seiner Mischung aus grimmigem Witz und antikem Versmaß, Gegenwartsspiegel und Mythosdekonstruktion am stärksten – das Stück kann man sich tatsächlich auf deutschen Bühnen vorstellen.

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