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30.08.2013

Berliner Morgenpost: Wenn nur noch der Hund die Ehe zusammenhält

Lauwarme Pointen: "Toutou" in der Komödie am Ku'damm

Die zwei hier sind wirklich auf den Hund gekommen: Chloe und Alex reden nur noch über ihren kleinen Liebling. Das allerdings fällt ihnen erst auf, als Alex eines Abends ohne Toutou an der Leine zurückkehrt. Ein Drama! Gegenseitige Beschuldigungen folgen, beide malen sich das Tier in seinen herrlichsten Farben aus und psychologisieren alles mögliche hinein.

 

Was man halt so macht, wenn der Sohn seit zwei Jahren in New York lebt und man sich miteinander langweilt. Eigentlich ist "Toutou" vom französischen Autorenduo Daniel Besse und Agnès Tutenuit eine waschechte Tragödie: Da leben zwei nebeneinander her, die sich nichts mehr zu sagen haben. Er flirtet mit allen Frauen, nur nicht mit der eigenen. Sie hat sich offensichtlich längst in den geistigen Vorruhestand verabschiedet. Und als in die miese Stimmung auch noch ein alter Freund platzt, der den Hund nicht ausstehen konnte und offensichtlich um Aufmerksamkeit und Zuneigung buhlt, kriegen sich alle in die Haare.

Dass es zum Schluss ein Happy End gibt, wirkt ebenso unmotiviert wie die Wechsel der Streit-Koalitionen. Im französischen Original mag die Komödie Esprit besitzen; im Deutschen wirken die frivolen Anspielungen platt, die Pointen lauwarm. Da haben es Wilfried Glatzeder und Gila von Weitershausen in der Komödie am Kurfürstendamm schwer, sich im bürgerlichen Ambiente von Tom Grasshof freizuspielen: An den Wänden hängt Kunst und Krempel, während sich vorne immer jemand auf die Couch plumpsen lässt (Regie: Ute Willing). Bei Glatzeders nervösem Alex scheint es lange, als hätte er etwas zu verbergen. Weitershausen legt ihre Chloe als biederes Mädchen mit kindischem Schmollmund an, die sofort in Zickenhaltung geht, als Freund Pavel es wagt, den Hund zu kritisieren.

Klaus Zmoreks Pavel bricht da einmal richtig aus – und bekommt Szenenapplaus für seinen zappelnden Hass auf den Mistköter. Vielleicht weil sonst alles von einer freundlichen Müdigkeit geprägt ist. Seine plötzliche Wandlung zum Hundeliebhaber glaubt man aber auch ihm nicht. Zu oft entsteht der Eindruck, als wüssten die Schauspieler um die Dämlichkeit der Vorlage – und retteten sich deshalb so routiniert ins Ziel. Man ahnt, was sie könnten – gerade Glatzeder nuschelt seine Sätze zuweilen höchst charmant weg, um ihnen plötzlich im Bass seiner sonoren Stimme eine neue Wendung zu geben – und sieht sie unterfordert am Ende einander in die Arme fallen. Schade.


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