Archiv Referenzen

17.09.2013

zitty: Thorsten Hierse

Berlins aufregendste junge Schauspieler

Er ist ein Schauspieler für den zweiten Blick: Schlaksig, blass, dunkles Haar – auf der ­Straße würde er kaum auffallen. Aber auf der Bühne! Im Dauerbrenner „Tschick“ etwa spielt er zusammen mit Sven Fricke fast alle Rollen. Bei Thorsten Hierse sitzt jede behutsame Geste, jeder Akzent; oft ist es nur sein Blick, ein neuer Ton in seiner Stimme, die andeuten, dass er plötzlich als Lehrer spricht oder als Mutter.
Oder in Stephan Kimmigs Inszenierung von „Ödipus Stadt“: Zwei Nebenrollen skizziert er da derart sensibel, dass sie in Erinnerung bleiben. Oder in Nurkan Erpulats „Das Schloss“: Als Olga erzählt er da einmal nüchtern bei einer Zigarette, wie aus geachteten Dorfbewohnern schwarze Schafe wurden – eine Verwandlung, ernsthaft, still, konzentriert und einer der intensivsten Momente des Abends.

Seit zwei Jahren gehört Hierse zum Ensemble des Deutschen Theaters. In Hannover hat er Schauspiel studiert, in Hamburg spielte er sowohl am Jungen Schauspielhaus (wo er 2010 mit dem Boy-Gobert-Preis der Körber-Stiftung ausgezeichnet wurde) wie am Thalia Theater. Hier arbeitete er bereits mit Frank Abt zusammen, der ihm in Berlin eine seiner schönsten Rollen schenkte: Als Erzähler in Franz Xaver Kroetz’ „Stallerhof“ setzt er tas­tend und behutsam die Geschichte zusammen, ist Souffleur und emotionaler Resonanzraum der geistig behinderten Beppi. Dabei glüht er so innerlich und verhalten, dass es schmerzt.


←  Autor

©2011-2018 Georg Kasch, Kulturjournalist - Impressum & Kontakt - Datenschutzerklärung