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26.04.2014

Heidelberger Stückemarkt: Abgründe des Entertainments

"Super B" – Das finnische Kollektiv Oblivia übt den institutionalisierten Dilettantismus

Drei Performer warten auf Jean-Luc. Währenddessen fangen sie schon mal an mit etwas, das eine Probe sein könnte, eine Kontakt-Improvisation oder eine Show, wer weiß das schon so genau. In ihren bequemen Schlabberklamotten legen sie sich nebeneinander, rollen sich gemeinsam und übereinander zur anderen Seite der von vielen Scheinwerfern begrenzten Spielfläche, fragen einander nach dem Befinden. Sie rollen immer heftiger, diese ulkigen Typen, zwei Frauen, ein Mann, sicher über 40 und nicht unbedingt ideal geformt.

Sie heißen Anna Kryzstek, Timo Fredriksson und Annika Tudeer, sind die Gruppe Oblivia und üben in "Super B" den institutionalisierten Dilettantismus. Einmal animieren sie uns zum Mitsingen bei ABBAs "Thank You For The Music", was nur so lange funktioniert, bis sie den Refrain schräg gegen die Strophenbegleitung angrölen.

Solche konkreten Szenen lösen sie in Schritte und Gesten aus dem Repertoire des zeitgenössischen Tanzes auf und lassen sie wiederum in zirkushaft-schräge Tableaus münden: Fredriksson legt sich auf Kryzstek, die sich vornübergebeugt hat, deren Rumpf Tudeer wiederum als Fixpunkt für eine unbeholfen-eingefrorene Präsentationsgeste nutzt: Hoppla, hier bin ich!

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