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06.05.2014

nachtkritik.de: Warten auf andere Galaxien

"Onkel Wanja" – Der Shorty zum Gastspiel der Stuttgarter Tschechow-Inszenierung von Robert Borgmann beim Theatertreffen 2014

Manchmal zahlt sich Treue aus. Wie im Fall von Armin Petras und Robert Borgmann. Borgmanns Macbeth-Inszenierung war die letzte große Premiere in Petras' Intendanz am Berliner Maxim-Gorki-Theater, und sie war eine Katastrophe: eine nicht enden wollende spannungslose Wirrnis, ein Abend der intellektuellen Nebelkerzen.

Petras ließ sich nicht beirren und arbeitete mit Borgmann auch in Stuttgart weiter zusammen (okay, die Verträge standen schon, aber angeblich hat er Borgmann auch am neuen Haus machen lassen). Und dann wurde ausgerechnet Borgmanns "Onkel Wanja"-Inszenierung zum Theatertreffen eingeladen. Trotzig und kämpferisch klang Petras bei der Urkundenüberreichung: Er sei froh, sagte er, dass die Jury wieder dazu übergegangen sei, nicht die erfolgreichsten, sondern die besten Inszenierungen auszuzeichnen.

Das allerdings sahen nicht alle Theatertreffenbesucher so: In den freundlichen, etwas müden Applaus mischten sich Buhs, die mit Bravos gekontert wurden. Buhs, die sicher stärker ausgefallen wären, hätte nicht viele Zuschauer schon in der Pause die Flucht ergriffen. Offensichtlich fühlten sie sich von der zelebrierten Langeweile auf der nahezu leeren Bühne überfordert oder von der prolligen Anlage der Figuren. Seelenzergliederung und Einfühlung sind Borgmanns Sache nicht, die großen Seins-Fragen und die Lebens-Sehnsucht schon.

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