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22.01.2015

Zitty: Duett

"Geliebter Lügner" im Berliner Schlossparktheater

Alte Liebe rostet nicht? Diese schon: Zwischen dem Literaturnobelpreisträger George Bernard Shaw und der Schauspielerin Beatrice Stella Campbell kochte es Anfang des Jahrhunderts heiß, um dann schnell abzukühlen. Die Briefe dieser platonischen Beziehung überlebten in einer Hutschachtel, wurden von Jerome Kilty entdeckt und 1959 als "Geliebter Lügner" dramatisiert. Meist wechseln Briefpassagen einander ab, nur selten ergibt sich daraus eine Art Gespräch.

Das steckt voller feiner Pointen und ironischer Andeutungen, ist also eher was fürs Bildungsbürgertum. Keine leichte Aufgabe für Regisseur Philip Tiedemann, der am Schlossparktheater das Zweipersonenstück mit Brigitte Grothum und Achim Wolff inszeniert: Zwei Sommergäste im Herbst ihres Lebens, die sich mal zärtlich, mal milde zürnend an ihre großen Gefühle erinnern. Oft lesen sie aus einem Haufen von Briefen, um sich dann zunehmend vom Papier zu emanzipieren. Ganz werden sie das Medium aber nicht los: Wenn sie sich küssen, dann mit gespitzten Lippen.

Das ist alles hübsch anzusehen. Aber nur selten schwingt sich der Abend im engen Bühnenkasten voller Briefe und Blumen zu dramatischer Spannung auf. Da helfen auch die wechselnden Natur-Stimmungsbilder im Hintergrund nicht: Von Anfang an riecht hier alles ein bisschen zu sehr nach Abschied.


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