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05.02.2015

zitty: Gaunerstück

In den Kammerspielen des Deutschen Theaters inszeniert Alize Zandwijk Dea Lohers "Gaunerstück"

Es ist ein altes Thema, das der sympathischen Kleinkriminellen, denen man den Erfolg gönnt. Dea Loher hat’s in ihrem neuen "Gaunerstück" variiert, das jetzt in den Kammerspielen des Deutschen Theaters läuft: Das Zwillingspaar Maria und Jesus Maria lebt am Rand der Gesellschaft und träumt vom großen Coup – bis ihm Schicksal und Chuzpe die große Chance bietet. Erfrischend leicht und komisch wirkt das, trotz schwarzer Sozial-Grundierung.

Das Stück besitzt kaum Handlung und Dialog: Immer erzählt jemand im soghaften Loher-Sound über das Geschehen, über sich oder die anderen. Die niederländische Regisseurin Alize Zandwijk löst diese Text-Statik auf, indem sie die Geschwister doppelt besetzt und choreografische Abläufe einbaut: mit Judith Hofmann und Fania Sorel als Maria, Hans Löw und Tänzer Miquel de Jong als Jesus Maria. In einer Industrie-Halle, in der die türkisblaue Farbe blättert, collagieren die vier den Text oft als chorische Fläche, unterstützt von Elias Arens und Beppe Costa, der eine hinreißende Musik improvisiert.

So beginnt das Stück, das beim Lesen noch allzu lyrisch wirkt, allmählich zu vibrieren. Vor allem dank der wunderbaren Schauspieler, deren ausfransende Charaktere einem ans Herz wachsen.


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