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19.02.2015

zitty: Politik und Moral revisted

"Das Lächeln des Barrakuda" im Schlosspraktheater

Wie wird sie entscheiden? Ihr Mann, erfolgversprechendster Präsidentschaftskandidat seiner Partei, hat die Dummheit begangen, sich als Seitensprung eine karrieregeile Plaudertasche zu angeln. Die Wahl scheint gelaufen – es sei denn, seine Frau verzeiht ihm vor laufenden Kameras.

Esther Vilar hatte für ihr 1994 uraufgeführtes Stück "Das Lächeln des Barrakuda" ein reales Vorbild: Bill und Hillary Clinton. Damals hieß die Affäre noch nicht Monica Lewinsky, sondern Gennifer Flowers. Dass Hillary später mitregieren durfte, könnte das Ergebnis eines Deals gewesen sein, spekuliert Vilar – und schildert packend und pointensatt das Rede- und Geschlechterduell der Eheleute, die hier Frank und Deborah Marvin heißen.

Ein Duell, das auch am Schlossparktheater fesselt, wo Regisseur Thomas Schendel die kühle Hotel-Couchlandschaft auf der Drehbühne kreisen lässt wie die Protagonisten umeinander. Ulrich Gebauers jovialer großer Junge bekommt schnell ein blasses Zerknirschungsgesicht, als seine Frau mit kühlen Forderungen loslegt. Toll, wie Eleonore Weisgerber einmal in ihrer Wut ihm zärtlich über die Schläfe streicheln will und er irritiert, ja entsetzt zurückschreckt. Die Waffen einer Frau können bis ganz nach oben führen – was zu beweisen war.


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