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16.06.2015

nachtkritik.de: Rückkehr in die Provinz?

Kommentar – Was ist los in Darmstadt?

Wie gut, dass das so klar gesagt wurde: Es waren nicht fachliche, sondern "andere Gründe", die eine Zusammenarbeit unmöglich machen zwischen Karsten Wiegand, dem Intendanten des Staatstheaters Darmstadt, und Jonas Zipf, für eine kurze Spielzeit Chef des Schauspiels. Beide haben Stillschweigen über die Gründe vereinbart.

Warum sie sich trennen, liegt dennoch auf der Hand. Der Musiktheatermann Wiegand gilt als schwierig, als kontrollsüchtig und unberechenbar. Nichts entgeht seinem Zugriff. Im Musiktheater verschleiert die zukünftige Wuppertaler Intendanz von Berthold Schneider, dass der Operndirektor sich vom Chef gegängelt fühlte. Auch im Schauspiel mischte Wiegand sich auf eine Weise ein, wie sie zum Glück eher unüblich geworden ist im deutschsprachigen Theaterbetrieb: In einer der finalen Proben zu Juliane Kanns Prinz von Homburg-Inszenierung missfielen ihm die Hintergrundvideos derart, dass er die Regisseurin vor die Wahl stellte: Entweder fliegen sie raus oder die Produktion platzt.

Jetzt dürfte die Störaktion der am Schauspiel engagierten Künstler beim "Datterich"-Festival das Fass zum Überlaufen gebracht haben. Natürlich muss das für Wiegand peinlich gewesen sein: die prominenten Gäste, beschimpft von (freien) Mitarbeitern des eigenen Hauses! Er sollte sich aber innerhalb des letzten Jahres daran gewöhnt haben, dass er kein Bankdirektor ist, sondern Intendant eines Dreispartenhauses. Da hat man es zuweilen mit unabhängigen, kreativen Köpfen zu tun.

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