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25.10.2015

nachtkritik.de: Lachen über Pegida

"FEAR" – An der Schaubühne Berlin schickt Falk Richter seine Darsteller in die linksintellektuelle Blase

"We are the others", sagt Frank Willens zum Schluss, wir sind die Anderen. "Ich weiß, es klingt pathetisch." Stimmt. Es sieht auch so aus: Da haben sich die Schauspieler auf der Schaubühnen-Bühne längst in ihre Prinzessinnengarten-Oase mit transportablen Tomatenpflanzen, Erbsen und Möhren zurückgezogen, singen Sufjan Stevens und feiern ihre Individualität.

Soll das jetzt tatsächlich der Gegenentwurf sein zu den besorgten Bürgern, Pegidisten und AfDlern, die in den zwei Stunden zuvor als Zombies über die Bühne geisterten? Der Rückzug ins Unpolitische? In eine diffuse Wohlfühl-Welt? Ist das eine ironische Volte Falk Richters oder nur ein Eingeständnis seines Scheiterns? "FEAR" heißt Richters neue Stückentwicklung: Es geht um die Angst der "besorgten Bürger" und Bildungsplangegner vor dem Fremden und Diffusen. Und auch ein klein bisschen um unsere Angst vor ihnen.

Der Text wirkt, als hätte sich der Autor, angespornt vom Erfolg seines Rants in Small Town Boy, den Thomas Wodianka sich so überzeugend überzog, jetzt ganz auf die satirisch zugespitzte Wutrede verlegt. Seine Textfläche mit wenigen Alibi-Dialogen hat er auf fünf Schauspieler und drei Tänzer aufgeteilt, die sich auf die Reise ins Herz der Finsternis machen, nach Dunkeldeutschland, wo die Zombies wohnen. Während elektronische Musik in Endlosschleifen pulsiert, stellen die Schauspieler Pappkameraden auf, kleben die Gesichter von Eva Herrmann, Beatrix von Storch und Birgit Kelle drauf und auf die kühle Podest- und Steglandschaft, mit der Katrin Hoffmann die hintere Bühne füllt, Protestslogans wie "Abendland in Christenhand".

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