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25.11.2015

nachtkritik.de: Performerin mit klarer politischer Botschaft

Die neuen Deutschen – Fatuma Musa, Motivational Speaker aus Kenia

"Home is where the heart is", steht auf der Fußmatte vor der Wohnungstür von Fatuma Musa. Ein etwas gefühliger Spruch. Aber vermutlich hat er eine tiefere Bedeutung, wenn man tausende Kilometer geflüchtet ist und ein Leben in Aufnahmeunterkünften hinter sich hat. Musa wurde in Somalia geboren, ist in Kenia aufgewachsen, studierte Stadtentwicklung, Gender-Projektmanagement und Entwicklungsforschung. Nach ihrer Flucht kam der Schock: "Zuhause war ich jemand", sagt Musa. "Hier war ich nichts."

Eine typische Erfahrung der neuen Deutschen: Denn die deutsche Asylgesetzgebung macht die Flüchtenden zu Wohlfahrtsempfängern, statt sie beim Aufbau einer Existenz zu unterstützen. Sie werden gezwungen, in umzäunten Gemeinschaftsunterkünften zu leben, bekommen oft Sachleistungen statt Geld – und werden so zu einer Unmündigkeit und Untätigkeit verdammt, die Jahre dauern kann.

Wie es ist, in einer Flüchtlingsunterkunft zu hausen, kennt Musa aus eigener Erfahrung im brandenburgischen Bestensee: "Die Leute sind depressiv oder betrunken. Die einzigen Freunde, die man da hat, sind der Krankenwagen und das Polizeiauto." Wenn man nicht kämpfe, sich nicht wehre, passiere nichts. In dieser Situation habe sie sich gefragt: "Wie kann ich etwas schaffen, um mich zu beschäftigen und nebenbei auch noch etwas zu verändern?"

Seitdem ist sie Aktivistin und Motivational Speaker – eine Performerin mit einer klaren politischen Botschaft, was sich mit Motivationsrednerin nur ungenau übersetzen lässt. Diplomatisches Abwägen ist dabei nicht ihre Stärke, eher das eindringliche Appellieren, getrieben von einer Empörung, die von Erfahrung gesättigt ist. Neulich trat sie bei einer Diskussion am Berliner Heimathafen nach einer Vorstellung von Ultima Ratio auf, davor u.a. im Grand Hotel Cosmopolis in Augsburg und bei einer Mahnwache für ertrunkene Flüchtlinge in Mainz.

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