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18.02.2016

nachtkritik.de: Im Park des Unvergnügens

"Hallelujah (Ein Reservat)" – Christoph Marthaler und Anna Viebrock begeben sich in der Berliner Volksbühne auf die Suche nach dem Indianer im Deutschen

Man müsste diesen Ort erfinden, gäbe es ihn nicht: der ehemalige Spreepark Plänterwald, früher der einzige ständige Vergnügungspark der DDR. Heute rotten die Fahrgeschäfte vor sich hin, wuchern Pflanzen in den Schwanenbooten, quietschen die Gondeln des Riesenrades. Ein Ready-Made-Bühnenbild, das das Theater mehrfach genutzt hat – vor ein paar Jahren etwa das HAU mit seinem Lunapark-Projekt, bei dem das Areal angenehm gespenstisch wirkte.

Man sollte annehmen, dass die Spreepark-Ruinen ein gefundenes Fressen wären für Anna Viebrock, die vor allem für Christoph Marthaler immer neue Ungemütlichkeitscollagen bröckelnder Bürgerlichkeitsidyllen schuf. In der Berliner Volksbühne aber reibt man sich verdutzt die Augen: hier ein umgestürzter Dino, da eine karge Brücke, ein paar Absperrungen und Parkbänke, ein Ticketcontainer. Hinten leuchtet weiß der Rundhorizont, dazwischen gähnt das Nichts. So wenig Atmosphäre war selten bei Anna Viebrock.

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