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17.11.2016

nachtkritik.de: Schutzraum Theater

Kolumne: Queer Royal – Georg Kasch über das politische Theater als Ort mit Bleiberecht für Minderheiten

Neulich war ich bei der Premiere der NSU-Monologeim Heimathafen Neukölln. Überall zwischen den vielen Menschen stand auffällig Sicherheitspersonal herum, breitbeinige Typen in Schwarz. Zuerst mutmaßte ich, dass parallel ein Konzert stattfindet mit irgendeinem Sternchen, das sich zu wichtig nimmt. Dann stellte ich fest, dass die "NSU-Monologe" im Großen Saal stattfinden, die Sicherheitsleute also die Premiere beschützten. War dieser Sicherheitsaufwand nicht ein bisschen überdimensioniert?

Dann fiel mir ein: Würde es hier wirklich einen rechtsterroristischen Anschlag geben, würden im Publikum die Opfer der NSU-Anschläge ein weiteres Mal Opfer werden – es wäre ein verheerendes Zeichen. Denn es muss – gerade in Zeiten wie diesen – Orte geben, an denen man sich auch als Minderheit sicher fühlt. Warum nicht im Theater?

Der Heimathafen Neukölln hatte übrigens im Foyer denselben Text zum Hausrecht-Gebrauch ausgehängt, wie er gerade vor dem Gorki Theater hängt. Dieser Hinweis ist kein Ausschluss – eher unwahrscheinlich, dass sich Menschen mit rechtem und rechtsextremen Gedankengut (oder gar rechte Störer) davon abhalten lassen würden, ins Theater zu gehen (vermutlich hatten sie es nie vor, es sei denn mit Pöbelabsichten). Der Hinweis wendet sich vielmehr ans Gorki-Stammpublikum: Liebe Nicht-Biodeutsche, (Post-)Migranten, PoC, Queers, hier seid Ihr sicher. Wenn sich jemand diskriminierend daneben benimmt, fliegt er oder sie umgehend raus.

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