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13.02.2017

adelante-festival.de: Antisozialer Schutzwall

"Not in my Backyard" – Das chilenische Colectivo Zoológico und das Theater Heidelberg erzählen von der Mauer in Köpfen und Herzen

 

Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten. Aber weil die Kommune am Rande einer chilenischen Stadt immer größere Angst vor den Eindringlingen hat, wird auch diese Variante schließlich ernsthaft in einem Powerpoint-Vortrag erwogen: Maschen- und Stacheldraht, Modell Israel, Berlin, China.

Den Clou allerdings hat sich Germán, in der Kommune Hausmeister, Nachtwächter und überhaupt der Mann für alle Fälle, selbst ausgedacht: eine Mauer, die von Pflanzen überwuchert wird. Ein Biotop, schön und naturnah, sieht aus wie eine botanische Pflanzung, ist aber ein Bollwerk.

Und zwar ein Bollwerk gegen die Armen, die vom Rande der Gesellschaft, die hier, direkt neben der ökoveganen Kommune, ein neues Sozialwohnungszuhause finden sollen. Ja, sicher, gute Idee, aber "Not in my Backyard", finden die Bewohner. Und damit auch wir. Schließlich sind wir Teilnehmer der Versammlung, auf der die deutschen Experten mit ihrem Unternehmensberatungssprech Optimismus verbreiten sollen. Hier, im Vereinssaal mit seinen vertäfelten Wänden, an denen Memorabilia hängen, vergilbte Einwanderer-Fotos, Rehkitze aus Porzellan, ein Quilt-Transparent: "Salvamos la communidad" – wir retten die Gemeinschaft. Fragt sich nur welche.

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