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14.02.2017

adelante-festival.de: Seelenstrip mit Staub und Schlagsahne

"BaqueStritBoys" – Osikán aus Kuba erzählt von männlicher Prostitution

Sex sells. Wenn die kubanische Gruppe Osikán über männliche Prostitution in Kuba erzählt, ist der Alte Saal voll bis zum letzten Platz. Der Trailer verspricht schicke nackte Typen, der Ankündigungstext stigmatisierende Mythen, die geknackt werden.

Und überhaupt: Kuba und Homosexualität, das riecht nach Unterdrückung und Leidenschaft, nach Kampf und Stolz. Nichts von alledem zeigt "BaqueStritBoys". Regisseur José Ramón Hernández hat einen sperrigen Abend zum Thema collagiert, der sich der Erotik konsequent verweigert. In eingespielten Aufnahmen sprechen männliche Prostituierte teils mit verzerrter Stimme über ihre Arbeit, ihr Leben: Die Familien wissen von nichts, den einen geht es nur ums Geld, andere finden auch den Sex in Ordnung, aber eigentlich reden alle vom Aussteigen. Später folgt ein Video mit zwei hinreißenden Trans-Frauen, die sich prostituieren, zwei lebenslustige Chicas, die über Gewalt, Ausgrenzung, aber auch den Wert der Freundschaft sprechen.

Ein Anwalt erzählt, warum er für die Rechte männlicher Prostituierter kämpft. Und ein Sänger berichtet davon, dass er wegen seiner androgynen Stimme nur Anstellung in einer Dragqueenshow fand und dort berühmt wurde, aber als er selbst ein Niemand blieb und so auch keine Karriere machen kann. Ein starker Moment, weil zwischen zwei kraftvollen, stolzen Songs ein Mensch sichtbar wird, der auch etwas über die Widersprüche von Maske und Wahrhaftigkeit erzählt.

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