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06.12.2017

nachtkritik.de: Triff deinen Feind!

Blog: Das Schauspielhaus Zürich will reden

Hendrik Höfgen ist wieder da. Er lässt freundlich grüßen. Und zwar die Mitarbeitenden des Zürcher Schauspielhauses mit der Botschaft: "Alvis Hermanis ist ein Schandfleck in eurem Lebenslauf." Alles in Großbuchstaben, ein Graffito am Bauzaun des Zürcher Kunsthauses. Anzuschauen hier. Höfgen ist produktiv, wie ein weiteres Graffito an einer Hauswand zeigt: "Toleranz für Fremdenfeindlichkeit – Alvis Hermanis welcome".

Höfgen, das war dieser fiktive Intendant in Klaus Manns "Mephisto"-Roman, der dem real existierenden Gustaf Gründgens, Schauspieler, Regisseur, Staatsintendant und Görings Schützling, die Maske herunterreißen sollte. Im Roman ein Anpassler und Wendehals, ein Diktaturgewinnler.

Und Alvis Hermanis? Ist jener lettische Regisseur und Intendant, der 2015 mit seiner Haltung zur deutschen Flüchtlingspolitik eine breit geführte Kontroverse auslöste, infolge derer er am Thalia Theater Hamburg eine Inszenierung absagte. Hermanis inszeniert auch anderswo im deutschsprachigen Gebiet, bei den Salzburger Festspielen etwa und am Münchner Residenztheater (obwohl er nach der Kontroverse gelobte, in Deutschland nie mehr Theater zu machen). Warum grüßt Höfgen nun ausgerechnet in Zürich, der größten Stadt in einem Land, das selbst mitten in einen Rechtsruck steckt, etwa im Fall des öffentlichen Rundfunks?

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