Theaterkritik: Drei Schwestern aus Ost-Berlin

Theaterkritik: Drei Schwestern aus Ost-Berlin

Der Titel klingt natürlich nach Musical. Juri Sternburg und Paul Eisenach erzählen in „East Side Story“ eine jüdische Berliner Familiengeschichte vom Kriegsende bis zur Wiedervereinigung. Und Lena Brasch hat das German Jewsical absolut stimmig am Maxim Gorki Theater inszeniert.

Am Ende singen sie „Sog nischt kejnmol“, erst auf Deutsch, dann auf Jiddisch: „Sage nie, du gehst den allerletzten Weg, / wenn Gewitter auch das Blau vom Himmel fegt. / Die ersehnte Stunde kommt, sie ist schon nah, / dröhnen werden unsre Schritte, wir sind da!“. Das berühmteste jüdische Partisanenlied, geschrieben 1943 von Hirsh Glick im Ghetto von Vilnius, erzählt vom bewaffneten Widerstand. Wie sie da am Bühnenrand stehen, eher leiser werden, tastend, schwingt Trauer mit und Wut und vielleicht auch die Frage, was jetzt noch kommt und ob man gewappnet ist.

Das ist der denkbar größte Kontrast zum Beginn von „East Side Story – A German Jewsical“ am Berliner Gorki Theater: Da stürmen die Spieler*innen glitzernd die Vorbühne, tanzen und singen sich um Kopf und Kragen, als wäre das hier Barrie Koskys Komische Oper (nur nicht so perfekt): „Oh Theater! Oh ja, Theater! / Ich tanz schon 3 Minuten, das gibt n Muskelkater“. Oder auch: „Fahr Linie1 bis zum Starlight Express, / Und wenn schon keine Revolution, dann – wenigstens – etwas Exzess.“

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