Essay: Zwischen Amüsement und Grimassenqual

Essay: Zwischen Amüsement und Grimassenqual

Haben die Berliner Opernhäuser einen Clown gefrühstückt? Die vergangene Spielzeit offenbart einen bemerkenswerten Trend zur Komik.

Wer zuletzt lacht, lacht am besten? Im Fall der Staatsoper könnte das stimmen. Die hatte nämlich für ihren Saisonabschluss Bülent Ceylan engagiert. In Wolfgang Amadeus Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“ räumt er mühelos die vielen Problemstellen des Singspiels ab, umarmt zugleich herzhaft das Publikum. Mozarts Oper kommt dabei zuweilen unter die Räder. Aber Thomas Guggeis im Graben und Adela Zaharia als Konstanze verteidigen Mozarts Tiefen beherzt gegen den reinen Gag. Und das Publikum jubelt.
Die Staatsoper hat ihren Saisonhöhepunkt also auf den letzten Metern geliefert. Aber auch generell wirkt es, als hätten die Berliner Opernhäuser schon länger geahnt, dass wir heute das Lachen nötiger haben als sonst. In der am Sonntag zu Ende gehenden Spielzeit jedenfalls haben es erstaunlich viele heitere Werke – und entsprechende Inszenierungen – auf die Spielpläne geschafft: Wo sonst oft Mord und Totschlag herrschen, gab’s 2025/26 den Amüsier-Passierschein.

Wobei die Lachmuskeln unterschiedlich stark beansprucht wurden: Ähnlich gut wie bei der „Entführung“ funktionierte die Inszenierungs-Strategie bei einer anderen „Türkenoper“, Gioachino Rossinis „L’italiana in Algeri“ an der Deutschen Oper. Rolando Villazón hatte dort die Handlung vom Mittelmeer nach Mexiko verlagert, ins Milieu des Lucha-Libre-Wrestlings. Wer keine tiefere Bedeutung sucht, ist mit dem herrlichen Schmarrn gut bedient, auch musikalisch, dank Nadezhda Karyazinas strahlender Isabella.

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