Ausstellung: Kampfmittel gegen fortschreitende Zersetzung

Ausstellung: Kampfmittel gegen fortschreitende Zersetzung

Mein Kamerad – die Diva – Eine Ausstellung im Schwulen Museum* Berlin, ein Buch und ein Symposium spüren den Frauendarstellern an der Front nach

Erwin Piscator war not amused: Es sei „einfach eine Qual“ gewesen, die Antonie in Roderich Benedix‘ „Die Hochzeitsreise“ zu spielen. „Dennoch wurde mir von ganz unparteiischer Seite das Kompliment gemacht, dass man mich solange für eine richtige Frau gehalten habe, bis man meinen Namen auf dem Zettel gelesen habe.“ Mal davon abgesehen, dass es interessant wäre zu erfahren, was eine „richtige Frau“ ausmacht – Piscator ist kein Einzelfall: Viele Soldaten spielten während des Ersten Weltkriegs Theater. Und nicht wenige davon spielten Frauenrollen.

Nun ist das ja grundsätzlich kein junges Phänomen: Von der Antike über Shakespeare und Hosenrollen bis zu den Travestieshows hat es auf dem Theater immer wieder den mehr oder weniger illusionistischen Geschlechtertausch gegeben. Aber unter Soldaten? Einer geschlossen männlichen Gesellschaft? Während eines der grausamsten Kriege der Weltgeschichte?

Es sind Fragen wie diese, die zur Ausstellung „Mein Kamerad – die Diva“ im Berliner Schwulen Museum* geführt haben, zur begleitenden Publikation und zum Symposium, beim dem am 8. November in der Humboldt-Universität die Autoren der Buch-Beiträge Vorträge halten. Front- und Gefangenen-Theater hatte es schon vor dem Ersten Weltkrieg gegeben, aber noch nie so viele und noch nie so gut dokumentiert – ein internationales Phänomen, wie Bilder von russischen, französischen, englischen und deutschen Soldaten- und Gefangenen-Truppen zeigen.

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