Lebbares Modell gesucht

Lebbares Modell gesucht

Als Joachim Lux, Intendant des Hamburger Thalia Theaters, vor einer Woche seinen Spielplan für die Saison 2018/2019 vorstellte, sprach er auch von einem Mitbestimmungsmodell in seinem Haus. Mehr “Mitspracherecht in künstlerischen Fragen” durch die Bildung eines entsprechenden Gremiums sei geplant, berichtete das Hamburger Abendblatt. Georg Kasch hat nachgefragt.

Herr Lux, wie soll die Mitbestimmung aussehen?

Die Mitwirkung bezieht sich für mich auf zwei Bereiche: Der eine ist das genuin künstlerische gemeinsame Herumspinnen, Entwickeln, Nachdenken über Projekte und Leitlinien. Der andere betrifft die Arbeitnehmerrechte der Künstler: Wie gestalten wir die Arbeitszeit? Wie regeln wir Wünsche nach Drehtagen? Wie gliedern wir die zahlreichen Gastspiele in den Probenbetrieb ein? Wie schützen wir die Assistenten wirksam vor der Gefahr permanenter Überbelastung? Wie gehen wir mit Umbesetzungen um? Und übergeordnet: Wie können wir den ökonomischen Notwendigkeiten entsprechen, ohne die künstlerische Freiheit zu sehr zu beschneiden?

Warum denken Sie gerade jetzt über ein Mitbestimmungsrecht nach, in Ihrer neunten Spielzeit am Thalia?

Wir haben im Grunde eine gute Spiel- und Konfliktkultur im Haus. Es gibt einen gewissen besonderen Geist, er ist über die Jahre gewachsen, und man sollte ihn nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. Und doch ist vieles oft unbefriedigend, nicht hinreichend transparent, nicht aus bösem Willen, sondern wegen zwangsläufig oft unterkomplexer Kommunikation komplexer Prozesse. Als es darum ging, ob ich als Thalia-Intendant verlängere oder nicht, war klar, dass ich nicht einfach weitermachen will. Neben bestimmten programmatischen Erweiterungen hatte ich mir vorgenommen, die kreativen Möglichkeiten des klassischen Stadttheaters als Ensemble- und Repertoire-Theater für die Zukunft zu entwickeln. Interne Gespräche dazu gibt es schon länger. Parallel dazu gibt es seit einiger Zeit öffentliche Debatten über das Stadttheater, und auch die Schauspieler haben angefangen, sich zu organisieren. Ich glaube nicht an Änderungen mit der Brechstange, dazu ist so ein Theater ein zu sensibles Konstrukt. Andererseits aber muss endlich etwas passieren. In der kommenden Spielzeit feiern wir den 175. Geburtstag des Thalia. Ein guter Anlass, sich etwas zu wünschen und sich um die Zukunft zu kümmern. Momentan dreht sich der Wind ja aufgrund von bestimmten Ereignissen wieder etwas zugunsten des Stadttheaters. Es wäre aber fatal und fahrlässig, dies nur als Bestätigung der bestehenden Strukturen zu lesen. Die Frage “Wie wollen wir leben?” hat sehr viel mit der Frage “Wie wollen wir arbeiten?” zu tun.

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