Newsletter: Was kommen muss, kommt

Newsletter: Was kommen muss, kommt

Newsletter der nachtkritik.de-Redaktion vom 17. Dezember 2020: Corona-Tests + Digitale Räume + Weihnachtsprogramm + Kindertheater-Special

Guten Morgen,

in diesem Jahr ist wirklich alles anders. Für alle, die sonst noch am 24. früh in den Laden um die Ecke gestürmt sind, um Last-Minute-Geschenke zu besorgen, wird’s diesmal eher ruhig (es sei denn, man muss noch hektisch online rumklicken, und wer dafür Inspiration sucht: hier die Tipps der nachtkritik.de-Redaktion). Wenn Sie sich selbst mit einer Auszeit beschenken wollen, Ihre Kinder aber nicht vor Kika oder Netflix parken möchten: Vom 20. bis 27. Dezember streamen wir ein Kindertheater-Special mit sieben Inszenierungen, etwa mit Volker Ludwigs Max und Millie vom Berliner Grips Theater, Paradies vom JES Stuttgart, Insekten vom Jungen Nationaltheater Mannheim, Ich bin nicht Du vom moks Junges Theater Bremen, Der Apfelwald und Schreimutter von der Schauburg München und dem britischen Weihnachtsklassiker A Christmas Carol von Charles Dickens vom Jungen Schauspiel Düsseldorf, Regie: Mina Salehpour.

Weiterhin online ist auch Taylor Macs Show Holiday Sauce… Pandemic! für alle, die an Weihnachten nicht nur gute Erinnerungen haben. Im Kreise seiner Wahlfamilie, den ‚queery peers‘, blickt Mac zurück auf „die unerfreulichen bis traumatischen Festtagserfahrungen mit den eigenen (Stief-) Großeltern“, schreibt Elena Philipp in ihrer Nachtkritik. „Die bunt-poppigen Animationen von Dana Lynn, die Mac und die Verwandten als Christbaumkugeln mit Gesichtern zeichnet, verniedlichen die tristen Schilderungen gerade so weit, um die Showstimmung zu bewahren.“

Apropos Theater im Digitalen: Das begleiten wir bei nachtkritik.de schon seit langem und in diesem Jahr besonders intensiv (allen Afficionados und solchen, die es werden wollen, sei noch einmal unser Netztheater-Band ans Herz gelegt). Dass nicht jedes Experiment gelingt, musste Janis El-Bira gerade bei der Eröffnung vom Prater Digital beobachten: „Die Kapazitäten digitaler Räume sind eben nicht unerschöpflich. Wo zu viel gewollt, zu viele reingelassen werden, reagiert das System mit Abstoßungserscheinungen. Es ruckelt, zuckt und lässt uns sitzen. Allein.

Wie sehr unsere Corona-Realität mitunter an ein (absurdes) Theater erinnert, schildert Janis El-Bira in seiner Kolumne, in der er drei Test-Erlebnisse vergleicht: „In den vielen theaterlosen Monaten dieses elenden Jahres habe ich das Theater selten mehr vermisst als dort, wo es ganz nah schien. Wo alles wirkte, als ginge es jetzt gleich los oder würde doch wenigstens aufhören.“

Die Frage, die wir in die Weihnachtstage mitnehmen, ist ja: Wie lange noch? Daran, dass die Theater ab dem 10. Januar wieder öffnen dürfen, glaubt niemand, den ich kenne. Mit den rasant steigenden Infektions- und Totenzahlen macht sich auch die Angst davor breit, dass es Freunde und Verwandte trifft. Angst ist ein schlechter Begleiter. Auch von all denen, die bis zuletzt auf ihrem Querdenker-Karneval Ängste durch Angstmache und allerlei Verschwörungshokuspokus betäubten. Was hilft in dieser Lage? „Jage die Ängste fort / Und die Angst vor den Ängsten“ heißt es in Mascha Kalékos Gedicht „Rezept“, das Schauspieler Sven Hönig als unser 14. Adventskalendertürchen vorträgt. Verse, so lakonisch, trocken und doch tröstlich in ihrem Fokus auf das, was ein Mensch ertragen kann: „Was kommen muss, kommt. / Geh dem Leid nicht entgegen. / Und ist es da, / Sieh ihm still ins Gesicht. / Es ist vergänglich wie Glück.“

Und nun? Ganz gleich, ob Sie es mit dem Optimismus von „Brich an, du schönes Morgenlicht“ halten oder der Melancholie von „Die Nacht ist vorgedrungen“, ob Sie Weihnachten feiern oder nicht, ob die Corona-Regeln für Sie eine Zumutung sind oder sogar eine Erleichterung, weil in diesem Jahr niemand etwas von Ihnen erwartet – kommen Sie gut durch die nächste Zeit und in ein neues Jahr, das hoffentlich sehr viel besser wird als das alte und in dem wir uns wieder fröhlich zuraunen können: Wir sehen uns im Theater!

Friedliche, angstfreie Tage wünscht
Georg Kasch

Hier geht’s zum Original.