Kommentar: Bildet Banden!

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Warum der zweite Lockdown für Theater und Künstler*innen wie eine Ohrfeige wirkt

Es ist ein bitteres Déjà-vu: Theater, Opern- und Konzerthäuser müssen schließen. Montag geht’s los in Deutschland. Besonders schmerzhaft ist diesmal das Label, unter das die Kulturbetriebe zumindest in Deutschland fallen: nicht Bildung, sondern Unterhaltung. Deren Besuch ist nämlich ab dem 2. November in Deutschland verboten, jedenfalls außerhalb der eigenen vier Wände. Im Entwurf zu den heutigen Beschlüssen der Bundeskanzlerin und der Landeschef*innen werden Theater in einem Atemzug mit Messen, Kinos, Freizeitparks, Vereinssport und Fitnessstudios genannt, aber ebenso mit Wettbüros und Bordellen.

Nachweisbar oder nicht-nachweisbar?

Ja, die Corona-Zahlen steigen rasant. Klar, es geht um Menschenleben, wie Dramatiker Konstantin Küspert richtig twittert. Natürlich müssen die politisch Verantwortlichen in Bund und Ländern etwas dagegen unternehmen. Aber ausgerechnet die Theater? Der neuerliche Lockdown muss allen Künstler*innen und Mitarbeiter*innen wie eine Ohrfeige vorkommen: Haben sie nicht während der ersten Schließungsphase mühsam die Fahne mit Streams und anderen Online-Aktionen hochgehalten? Haben sie nicht, sobald das möglich war, weitergeprobt unter schwierigsten Bedingungen? Haben sie nicht komplexe, auf jedes Haus und jede Landesregelung genauestens abgestimmte Hygienepläne vorgelegt?

Haben sie nicht im Herbst eine Premiere nach der nächsten stattfinden lassen, in der Freien Szene oft auch Doppelvorstellungen angesetzt bei gleichbleibendem Honorar vor entmutigend wenigen Plätzen? Die dann auch nicht immer gestürmt wurden, weil viele potentielle Zuschauer*innen aus Vorsicht auch weiterhin zu Hause blieben? Obwohl Untersuchungen zeigten, dass bislang keine einzige Infektion in einem Theater nachgewiesen werden konnte? (Womit nicht entproblematisiert werden soll, dass es eine hohe Quote an nicht-nachweisbaren Ansteckungen gibt.)

Und wie wird’s gedankt? Mit einem zweiten Lockdown.

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